Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Die frühe Priesterkaiserzeit
von 335 bis 350 nach Bosparans Fall

Durch die ersten Jahre der Priesterkaiserherrschaft wurde die glückliche Epoche nach der Siegelung der Lex Zwergia jäh beendet. Der Rondrakult wurde wie überall im Reich verboten, die rondragläubigen Adligen wurden zum Verleugnen seines Bekenntnisses gezwungen oder starben den Märtyrertod. Twergenhausen arrangierte sich mit den Praiosgeweihten.
 

335 BF

Aldec Praiofold II. setzt die Lex Zwergia außer Kraft, Radegast von Greifenfurt trifft in Twergenhausen ein

Nachdem Aldec Praiofold II. als erster Priesterkaiser im Jahre 335 BF den Thron zu Gareth bestiegen hatte, setzte er viele weltliche Hochadlige, darunter den Herzog der Nordmarken, kurzerhand ab, die Lande am Großen Fluss wurden nun von einem praiosgeweihten Herzogen-Wahrer im Illumiertenrang beherrscht, der in der Elenviner Wehrhalle residierte. Der von Aldec eingesetzte Herzogen-Wahrer Welfan Praiobur von Hohensteyn übte seine Herrschaft mit Hilfe der Praiosgeweihtenschaft, des Ordens der Göttlichen Kraft sowie des Laienordens des Bannstrahl Praios’ aus. Die Lex Zwergia wurde von Aldec außer Kraft gesetzt, garantierte diese den Zwergen doch die freie Ausübung ihres Glaubens an Angrosch. Damit wurde auch der zwergische Graf des Isenhag abgesetzt und durch einen äußerst wortgewandten und charismatischen Praiosgeweihten und Inquisitor des Ordens der Göttlichen Kraft namens Radegast von Greifenfurt ersetzt. Radegast zog mit großem Gefolge in Twergenhausen ein, wo der Magistrat ihm alle Ehren erwies. Angetan vom »tiefen Glauben und der kindlichen Unterwürfigkeit« der Ratsdamen und -herren bestätigte er das Privilegium Sighelmi und damit die städtische Selbstverwaltung. Radegast wies den Magistrat Twergenhausens an, den Rondratempel zu schließen und den Rondrahochgeweihten wegen »Verschwörung wider das Reich« und »Kaisermord« einzukerkern. Nach kurzer Beratung hinter verschlossenen Türen stürmte die Stadtgarde den Rondratempel und legte den Geweihten in Ketten. Radegast predigte von nun an jeden Tag auf dem Marktplatz vor dem Traviatempel, und hielt nicht inne, bis auch der letzte Sünder auf seine Knie gesunken war und Praios um Gnade anflehte.
Burg Darlinmund wurde von Radegast zu seinem Amtssitz auserkoren. Dort zogen auch zwei ganze Banner Sonnenlegionäre ein, um über die Stadt und das Tal des Großen Flusses zu wachen.
zurück zur Übersicht

Ende 335 BF

Aldec Praiofold II. erlässt das Kaiserliche Flussprivileg

Seit Bosparanischen Zeiten ist der Große Fluss eine Wasserstraße, die vom Herzog der Nordmarken beherrscht wird. Durch das Kaiserliche Flussprivileg, das am 1. Ingerimm 335 BF erlassen wurde, fallen alle Wege- und Zollrechte jedoch an das Reich, der Herzogen-Wahrer Welfan Praiobur von Hohensteyn ist nurmehr Amtsgehilfe des Garether Kaisers und schafft daher, da er diese Aufgabe als unwürdig betrachtet, das Amt des Allwasservogts.
zurück zur Übersicht

Anfang 336 BF

Das Ende des Theaterrittergutes Maringen und des Twergenhäuser Rondratempels

Der Hochmeister des Theaterordens wurde 336 BF in Arivor hingerichtet, und Marschall Anshag von Glodenhof im bornischen Festum rief zum Heiligen Krieg gegen das Garether Kaiserreich. Die Laienritterin des Theaterordens, die zu diesem Zeitpunkt über das dem Theaterorden eigene Maringen herrschte, rüstete zum Krieg. Der Ordenskomtur der Nordmarken war bereits am Tage der Hinrichtung des Hochmeisters mitsamt seines Stabes in Ketten gelegt worden, alle Burgen des Ordens waren im Handstreich von Sonnenlegionären genommen worden – die Theaterritter auf den verstreuten Gütern des Ordens standen für sich alleine. Die Ordensritterin zu Maringen war nicht unbedingt für ihre Entschlussfreude bekannt und machte sich mit nur fünf Waffenknechten gen Elenvina auf. In Twergenhausen wurde sie widerstandslos von der Stadtgarde festgenommen und in den Kerker geworfen.
Radegast forderte in seinen öffentlichen Predigten wieder und wieder die Hinrichtung des Rondrageweihten und der Theaterritterin, da sie nichts als »Kaisermörder in Rondras Rock« seien. Der Magistrat der Stadt nahm sich der Vorwürfe schließlich an, und das Stadtgericht trat zusammen. Es verurteilte die Ritterin und den Geweihten nach drei Prozesstagen zum Tode auf dem Scheiterhaufen, sprach die fünf Maringer Waffenknechte jedoch von jeder Schuld frei.
Als am Hinrichtungstag die Flammen auf den Scheiterhaufen emporloderten, verlas Radegast eine neue Order des Herzogen-Wahrers. Alle Kultstätten der Rondra seien zu zerstören und an ihrer Statt Praiostempel zu errichten. Noch während die Todesschreie der Unglücklichen über den Marktplatz gellten, stürmte die durch Radegasts Predigt aufgehetzte Menge den Rondratempel am Marktplatz Twergenhausens, schändete den Altar, plünderten die Tempelschätze und steckten den Tempel in Brand. Einige Tage später wurde auf der noch nicht gänzlich erkalteten Asche der Grundstein für den neuen Praiostempel der Stadt gelegt.
Der Ingerimmhochgeweihte Twergenhausens protestierte scharf gegen die Maßnahmen gegen die Rondrakirche und wurde daraufhin selbst festgenommen. Der Ingerimmtempel der Stadt wurde geschlossen, dem Geweihten zu Elenvina der Prozess gemacht.
zurück zur Übersicht

Mitte 336 BF

Die Unterwerfung Baron Ronwalds und der Märtyrertod Hildruns von Sturmfels

Um einem befürchteten Adelsaufstand im Hinterland zuvorzukommen, entsandte Radegast im Spätherbst 336 BF Sonnenlegionäre, Stadtgardisten und Freiwillige gen Dohlenfelde und Erzweiler. Als Baron Ronwald von Katzenstein die vielfach überlegenen Truppen vor seiner Burg sah, kapitulierte er. Der Baron schwor dem Rondraglauben ab und bekannte sich zu Praios, weiterhin verzichtete er auf alle Ansprüche in Twergenhausen und machte Burg Darlinmund, die ohnehin schon der Amtssitz Radegasts war, dem Orden der Göttlichen Kraft zum Geschenk. Weiterhin befahl er den Bau eines Praiostempels im Hauptort seiner Baronie.
Dem Bürgermeister Twergenhausens kam zu Ohren, dass Radegast von Greifenfurt vor hatte, die goldenen Insignien der Grafschaft an sich zu nehmen und einschmelzen zu lassen. So ließ er heimlich die Kleinodien aus dem Bergfried Burg Darlinmunds in »Sicherheit« in einen geheimen Kellerraum des Magistratsgebäudes der Stadt bringen. Dort befinden sich die Insignien der Grafschaft bis heute. Radegast von Greifenfurt vermutete, als die Sonnenlegionäre die Insignien nicht finden konnten, dass der Graf zu Calbrozim diese versteckt hätte. Auf den Bürgermeister fiel kein Verdacht.
Die rondragläubige Edle zu Erzweiler, Hildrun von Sturmfels, eine Vasallin der Ingerimmkirche, war zutiefst erbost über den Geweihtenmord und Tempelfrevel in Twergenhausen, das kampflose Einlenken Baron Ronwalds und erst recht das Abschwören desselben vom Rondraglauben. So erwartete Hildrun mit zweien ihrer Geschwister und dreien ihrer Kinder die heranrückenden Truppen nicht im Turm Sturzwacht, sondern im Erzweilerer Rondratempel, um die dortigen Reliquien und den dortigen Geweihten zu schützen. Zudem war der Tempel die Grablege aller ihrer direkten Vorfahren seit Utsinde von Sturmfels, der heldenhaften Drachentöterin und ersten Edlen zu Erzweiler aus dem Hause Sturmfels. Der Rondrampel Erzweilers war damals noch keine Festung, aber durchaus ein wehrhafter Bau. Nachdem der Geweihte und die Sturmfelser sich weigerten, die Kapelle zu verlassen, griffen die Sonnenlegionäre an. Nach mehrstündigem Gefecht waren die sieben Streiter tot – und hatten zwei Dutzend Sonnenlegionäre und Twergenhäuser Stadtgardisten mit sich genommen. Der Erzweilerer Rondratempel wurde geschlossen, sein Eingang zugemauert. Hildrun von Sturmfels wurde für ihre selbstlose Tapferkeit und ihre Glaubensfestigkeit in der Rohalszeit vom Schwert der Schwerter heilig gesprochen. Der Erzweilerer Rondratempel trägt heute Hildruns Namen.
Hildruns jüngster Sohn Edelbrecht hingegen, bis heute »der Ruchlose« genannt, brach mit der Familientradition, schwor dem Rondraglauben ab, brach seinen Eid gegenüber dem Hüter der Flamme zu Angbar und unterwarf sich Radegast von Greifenfurt – und wurde daraufhin von diesem zum ersten erblichen Junker zu Erzweiler gekrönt. Der Protest des Ingerimmtempels zu Erzweiler wurde durch die Verhaftung des Hochgeweihten im Keime erstickt. Maringen wurde nur einen Mond später der direkten Herrschaft des Elenviner Herzogen-Wahrers unterstellt, der das Gut einem Ritter des neugegründeten Bannstrahl Praios’ zum Lehen gab. Edelbrecht gelang es jedoch nicht nur, die Stationierung von Sonnengardisten in seinem Lehen zu vermeiden, sondern auch den Bau eines Praiostempels zu verhindern.
zurück zur Übersicht

Ende 336 BF

Theaterritter aus Almada erreichen das Tal der Stiege und beginnen mit dem Bau von Burg Löwintrutz

Einige Monde nach Hildruns Tod war ein knappes Dutzend von ihren Gütern in Almada geflüchteter Theaterritter und Rondrageweihte des Theaterordens im Gebiet des heutigen Zwackelfegen eingetroffen. Auf einem gut zu verteidigenden Hügel im Tal der Stiege – das damals nominell zur Baronie Rabenstein gehörte – begannen die Rondrianer mit dem Bau der Burg Löwintrutz, um von dort den Kampf gegen die Praiosgeweihtenschaft aufnehmen zu können, die sowohl das Tal des Yaquir als auch das Tal des Großen Flusses fest unter ihrer Kontrolle hatten. Die Arbeiten wurden von almadanischen Landleuten verrichtet, die die Rondrianer auf ihrer Flucht begleitet hatten, und sich nun in einem kleinen Dorf zu Füßen des Burgbergs ansiedelten. An gleicher Stelle stehen heute Burg und Dorf Zwackelfegen.
zurück zur Übersicht

Anfang 337 BF

Baron Garubald von Sturmfels zu Wolfsstein scheitert, seine Tochter wählt den Freitod

Die Nachricht vom Tode Hildruns und vom Überlaufen Edelbrechts im Boron 336 BF hatte Burg Schattenbruch – den Stammsitz des mittleren Hauses der Sturmfelser und Baronssitz zu Wolfsstein – in Windeseile erreicht. Baron Garubald von Sturmfels, der Patriarch der Familie, schwor, den Tod Hildruns zu rächen und Edelbrecht für seinen Verrat an Familie und Glauben zu strafen. Garubald stellte im Frühjahr 336 BF mit einigen befreundeten rondragläubigen Adligen ein kleines Heer auf und belagerte eine nahegelegene, dem Bannstrahl Praios’ gehörende Burg. Im Rahja 336 BF kapitulierte die Burg, danach rief Garubald zum Marsch auf Elenvina. Doch im Praios 337 BF brach im Lager der Rondrianer eine Seuche aus und forderte binnen weniger Tage viele Tote, darunter alle fünf das kleine Heer begleitenden Rondrageweihten und auch den Heerführer der Aufständischen, Baron Garubald. Der Feldzug musste abgebrochen werden, bevor er richtig begonnen hatte.
zurück zur Übersicht

337 BF

Das Ende des Hauses Sturmfels in der Baronie Wolfsstein

Nach Garubalds Tod forderte der Herzogen-Wahrer der Nordmarken Beregis von Sturmfels, das neue Familienoberhaupt der Sturmfelser und neue Baronin zu Wolfsstein, auf, ihrem »ketzerischen Unglauben« abzuschwören. Als die junge Frau sich weigerte und ihre Kämpfer auf der mächtigen Trutzburg Schattenbruch zusammenzog, bevollmächtigte der Elenviner Herzogen-Wahrer den Edlen zu Nadelfels – eigentlich ein Vasall der Barone zu Wolfsstein – »alle nötigen Mittel zu ergreifen, um Praios’ Willen durchzusetzen«. Der Herzogen-Wahrer zu Elenvina löste die Baronie Wolfsstein auf und errichtete eine so genannte »Sonnenvogtei«, zu deren Vogt er den Edlen zu Nadelfels ernannte. Der neue Vogt im Baronsrang ließ Burg Schattenbruch belagern, mehrere Sturmangriffe wurden blutig abgewiesen, doch starben dabei auch viele Verteidiger, darunter Beregis’ Mutter und zwei ihrer Onkel. Im darauffolgenden Frühling waren die Vorräte Burg Schattenbruchs aufgebraucht, und Beregis ließ das Tor öffnen. Die junge Baronin stürzte sich in ihr Schwert, als der Edle von Nadelfels ihr Gemach betrat. Baronin Beregis’ Urgroßvater, eine Tante, eine Handvoll adliger Gefolgsleute sowie das Gesinde wurden in den Bergfried gesperrt, und danach zündete man Schattenbruch in einem überdimensionalen Scheiterhaufen an. Die beiden jüngeren Geschwister Baronin Beregis’ wurden gefangengenommen und in Ketten nach Elenvina transportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Die Hauptlinie der Sturmfelser m.H. – die Linie der Barone zu Wolfsstein – war ausgelöscht. Das Familienoberhaupt der nordmärkischen Sturmfelser war nun der Erzweilerer Junker Edelbrecht, genannt »der Ruchlose«, der unbehelligt von Turm Sturzwacht aus über sein Junkergut herrschte.
zurück zur Übersicht

Anfang 338 BF

Bau des Sankta-Lechmin-von-Weiseprein-Tempels zu Dohlenfelde

Im Praios 338 BF war der Praiostempel im Dorf Dohlenfelde fertiggestellt und wurde der Heiligen Lechmin von Weiseprein geweiht. Dass nach der Tempelweihe am Darlin binnen weniger Wochen alle drei Kinder des Dohlenfelder Barons bei Unglücksfällen starben, deuteten viele als Rache Rondras für die Verleugnung des Glaubens an sie.
zurück zur Übersicht

338 BF

Das Junkergut Growingen fällt an den Orden der Göttlichen Kraft

Unter den toten Kindern des Dohlenfelder Barons war auch seine älteste Tochter, die Jungfer zu Growingen. So fiel das Junkergut Growingen, wie im Testament derselben gewünscht, an den Orden der Göttlichen Kraft. Inquisitorius Radegast von Greifenfurt nahm den Titel des Junkers zu Growingen an.
zurück zur Übersicht

Ende 339 BF

Die Sonnenlegion vernichtet die Theaterritter im Tal der Stiege

Im Jahre 339 BF entdeckte ein Fallensteller aus Rabenstein die Burg und das Dorf im Tal der Stiege, das bis dato als menschenleer galt. Er berichtete davon in seinem Heimatdorf, und nur wenige Wochen später erfuhr der Sonnengebieter in Punin von der Fluchtburg der Tempelritter. Einige Wochen später marschierten zwei Banner Sonnenlegionäre über den Rinnstieg ins Tal der Stiege, der Weg von Moxarosch nach Zwackelfegen war zu dieser Zeit noch nicht erschlossen. Die Soldaten nahmen die Burgbaustelle im Sturm. Eine Handvoll Theaterritter und Rondrageweihter befand sich, als die Sonnenlegion im Tal der Stiege eintraf, gerade auf einem Kundschaftsritt im unheimlichen Stiegenwald. Am Ufer des Ulmensees trat ihnen ein prächtiger Waldlöwe entgegen und berichtete den Geweihten und Rittern von der Belagerung und baldigen Zerstörung der Burg Löwintrutz, und forderte sie auf, nicht dorthin zurück und damit in den sicheren Tod zu reiten, sondern sich ins Darlintal zu wenden, zur Grabesgemeinschaft auf Burg Wolenach, die als Laienbund – der zudem Rondra und Boron gleichermaßen nahestand – bisher dem Bann der Priesterkaiser entgangen war. Die Theaterritter und Rondrageweihten taten, wie ihnen geheißen. Weitgehend unbemerkt von den Bewohnern Erzweilers, Maringens und Dohlenfeldes erreichte die kleine Schar schließlich Burg Wolenach. Dort baten sie um Schutz und Waffenhilfe. Und tatsächlich: Die Grabesgemeinschaft nahm die Flüchtenden mit offenen Armen auf, die boron- und rondragläubigen Streiter rüsteten sich zum Kampf gegen die Sonnenlegion. Die Demütigungen der letzten vier Jahre hatten die Geduld der Ritter auf Burg Wolenach über jedes Maß strapaziert.
zurück zur Übersicht

340 BF

Die »Erste Schlacht vom Reghiansgrab« und die Gründung des Ordens vom Heiligen Grabe Reghians

Es blieb nicht lange ein Geheimnis, dass die Grabesgemeinschaft des Heiligen Reghian sich der Rondrageweihten und Theaterritter angenommen hatte, und als deren Auslieferung verweigert wurde, wurden alle Bewohner Burg Wolenachs in Acht und Bann gestellt. Die Sonnenlegion belagerte schon wenig später die Feste, und stürmte diese im Jahre 340 BF: Beim Kampf um die Burg und die Grabkavernen Reghians kamen fast alle Verteidiger und viele Angreifer ums Leben. Die Sonnenlegion zog nach der »Ersten Schlacht vom Reghiansgrab« triumphierend ab. Was sie nicht wussten: Zwar waren alle Theaterritter und Rondrageweihten gefallen, doch eine Handvoll Laien der Grabesgemeinschaft hatte schwerverwundet überlebt. Und diese schlossen sich nun zum »Orden vom Heiligen Grabe Reghians« zusammen. Die Formulierung »vom Heiligen Grabe« wurde geschickt gewählt, um das Problem zu umgehen, dass Reghian kein kirchlich anerkannter Heiliger war. Etwa zwei Dutzend Rondragläubige schlossen sich in den folgenden Monaten dem Orden an, Burg Wolenach wurde, unbemerkt von Twergenhausen, schwerer befestigt als je zuvor.

»So kam es zu einer fast ein Jahr währenden Belagerung. Als die Vorräte der Burg Wolenach zuneige gingen, unternahmen die Belagerten einen verzweifelten Ausfall durch einen Geheimgang, und die darauffolgende Schlacht dauerte fast den gesamten Tag, bis sich die wenigen überlebenden Kämpen der erdrückenden Übermacht der Sonnelegionäre beugen und Schritt für Schritt zurückweichen mussten. Die Streiter des Praios trieben die Anhänger Rondras vor sich her und zwangen sie schließlich zum Rückzug in den unterirdischen Gang, der zum Grabe Reghians führte. Auch im engen, lichtlosen Felsgang wurde der Kampf unerbittlich fortgeführt, und immer mehr Sonnenlegionäre, den sicheren Sieg vor Augen, setzten den Rondrianern nach. Doch einen Sieger sollte es in dieser Schlacht nicht geben, die Zwölfe hatten anders entschieden: Die Gangdecke stürzte herab und begrub unterschiedslos alle Kämpfer unter sich. Für die einen wurde die Schlacht durch Praios’ Zorn beendet, der die frevlerische Brut durch die Gesteinsmassen zermalmte, für die anderen durch ein Wunder Rondras, die ihre Streiter und das Grab vor dem Zugriff der Praiosknechte schützen wollte. Die wenigen überlebenden Sonnenlegionäre zogen triumphierend gen Elenvina, um dem Herzogen-Wahrer in der Wehrhalle Bericht zu erstatten.
Doch auch eine Handvoll Streiter Rondras hatte die Schlacht überlebt. Es waren die Schwerverwundeten, die am Ausgang des Geheimganges, durch den der finale Ausfall aus der Grenzfeste geführt wurde, darniederlagen. Diese Überlebenden, allesamt Laien, schworen sich ewige Treue und schlossen sich zu einem Orden zusammen, dem Orden vom Heiligen Grabe Reghians. Der erste Hochmeister wurde Markgrimm von Ziegenfuß, und er war es auch, der die Tradition begründete, dass ein jeder Hochmeister seinen Herkunftsnamen ablegte und durch den Namen »von Reghianswacht« ersetzte. In den folgenden, mehr als hundert Jahren der Priesterkaiserherrschaft führten die Ordensritter einen erbitterten Kleinkrieg gegen die Schergen der Geweihten auf dem Kaiserthron und schützten die Bauern der Umgebung vor Übergriffen durch die Praiosdiener. Es kam zu vielen Gefechten, die einen hohen Blutzoll forderten, und kaum ein Hochmeister amtierte länger als vier oder fünf Jahre, bevor er zu Rondra gerufen wurde.«

(»Vom Ende einer langen Wacht – Die Geschichte des Ordens vom Heiligen Grabe Reghians«, Twergenhausen, 1026 BF)

zurück zur Übersicht

Anfang 341 BF

Fertigstellung und Weihe des Twergenhäuser Praiostempels

Nach nur fünfjähriger Bauzeit, im Jahre 341 BF, wurde der auf den Trümmern des Rondratempels errichtete neue Twergenhäuser Praiostempel geweiht. Radegast erklärte den neuen, im helaischen Stil errichteten Tempel zum geistlichen Zentrum ganz Isenhags. Um die Ausfälle, die Twergenhausen durch den weitgehenden Zusammenbruch des Handels mit dem Bergkönigreich Eisenwald entstanden waren, zu kompensieren, verlieh der Herzogen-Wahrer in Elenvina auf ein Ansuchen Radgegasts der Stadt Twergenhausen das Stapelrecht.
zurück zur Übersicht

341 BF

Priesterkaiser Aldecs Vision vom »Praiosland Eisenwald«

Priesterkaiser Aldec hatte im Jahre 341 BF eine Vision von einem gigantischen Praioskloster im Eisenwald, das über den gesamten Eisenwald herrschen sollte. Als Standort für das ehrgezeige Projekt wählte er ein riesiges Areal nördlich der Via Ferra auf Rabensteiner Gebiet aus. Radegast von Greifenfurt opponierte im Stillen gegen das Klosterprojekt, das nicht dem Orden der Göttlichen Kraft unterstanden hätte, und ihm ganz persönlich die Herrschaft über einen guten Teil »seines« seiner Grafschaft Isenhag entzogen hätte. So kam es, dass aus weiten Teilen des Isenhag weder Baumittel, noch Gold, noch Arbeitskräfte nach Rabenstein gelangten. Das Kloster sollte nie vollendet werden.
zurück zur Übersicht

342 BF

Das Mysterium von Wolenach

Ein Ritter des Ordens ritt im Rondra 342 BF nach Twergenhausen, um Radegast von Greifenfurt den Krieg zu erklären. Der gleichermaßen erstaunte wie erboste Radegast ließ den Parlamentär ziehen. Dann schickte er ein halbes Banner Sonnenlegionäre und Stadtgardisten aus, um die Reghianer zu vernichten. Doch die Strafexpedition verschwand auf mysteriöse Weise auf Nimmerwiedersehen im Wolenacher Forst. Die höchste Inquisitorin des Ordens der Göttlichen Kraft in den Nordmarken rügte Radegast für sein dilletantisches Vorgehen, setzte sich an die Spitze eines Banners Elitesoldaten und marschierte auf Burg Wolenach. Doch auch diese Expedition verschwand mitsamt der Inquisitorin auf Nimmerwiedersehen im Wald. Entsetzt von den Nachrichten aus Wolenach verhängte Radegast einen praioskirchlichen Bann über alles Land zwischen Grüngischt und Weihlbach, das er als »finsteren Zauberwald« bezeichnete. Kein Praiosgeweihter oder Sonnenlegionär wagte sich mehr in das Gebiet.

Meisterinformationen (Text wird sichtbar durch Markieren):
Feen hatten mit den mysteriösen Geschehnissen von 342 BF nichts zu tun. Der Hochmeister der Reghianer hatte vielmehr einen Vertrag mit einem mächtigen Druiden geschlossen, dessen Zirkel noch heute über den Wolkenfolder Forst wacht: Humusdschinne ließen undurchdringliche Dornenhecken um die Eindringlinge wuchern, Ranken und Wurzeln hielten die Geweihten und Soldaten fest. Die Glücklichen wurden von Waldschraten erschlagen, die Unglücklichen verdursteten einige Tage später elendiglich. Wenn an der richtigen Stelle gesucht würde, könnten auch heute noch Rüstungsteile der Sonnenlegionäre gefunden werden.
In den apokryphen Aufzeichnungen des Ordens vom Heiligen Grabe Reghians, die sich im Ordensarchiv aber auch im Twergenhäuser Stadtarchiv finden, aber weithin unbekannt sind, gibt es deutliche Hinweise auf den Vertrag zwischen dem Hochmeister und dem Orden:

»So begab es sich, dass der Erste Hochmeister Markgrimm von Ziegenfuß, der sich später den Namen von Reghianswacht geben sollte, und noch später Markgrimm der Heilige wurde, mit seinen Rittern im Wolenacher Forst tief verborgen, die Praiosknechte aber auf Burg Katzenstein und auch in Zwergenhus saßen. Alsdann, die Ritter darbten und litten große Not, klaubten sich Beeren und jagten Wild, da stand ein weißbärtiger Mann vor dem Heiligen, der großen Hunger litt, während sich die Praiosknechte ihre Mägen vollschlugen mit dem, was sie den braven Bauern abpressten. Er sprach zu ihm: ,Der Wald soll Deine Ritter hüten, so ist Rondras Wille, er soll Dich nähren, nimmer mehr Hunger sollst Du leiden!‘ Da fragte der Heilige: ,Alter Mann, was soll ich für Deine Großzügigkeit tun?‘ Und der Weise antwortete: ,Der Wolenacher Forst und sein Getier soll Dir und Deinen Rittern Schutz und Wehr sein, besser als Schild und Schwert. Dafür musst Du mir einen Schwur leisten: Nimmer darf ein Baum gefällt werden aus Habgier oder durch andere Niedrigkeiten, wie sie den Menschen eigen. Dies gelte solange Burg Wolenach über das Land zwischen Grüngischt und Weihlbach wacht.‘ Der Heilige erwidert mit lauter Stimme und aus tiefstem Herzen: ,Im Namen der Zwölfe, weiser Mann, so soll es sein. Bei meinem Leben, den Leben meiner Ritter und den Leben all derer, die es wagen sollen, aus Habgier oder durch andere Niedrigkeiten, wie sie uns eigen, einen Baum zu fällen zwischen Grüngischt und Weihlbach, solange Burg Wolenach über dieses Land wacht.‘Von da an litten die Ritter des Ordens keine Not mehr im Wolenacher Forst, aber noch wichtiger: Kein Knecht des Praios fand mehr den Weg nach Burg Wolenach. Dem Orden vom Heiligen Grabe Reghians war der Wald zwischen Grüngischt und Weihlbach Schwert und Schild!«

(Geheimchronik des Ordens vom Heiligen Grabe Reghians, Ordensarchiv (nun auf Burg Darlinmund), 343 BF)


 
zurück zur Übersicht

Ende 342 BF

Beginn der Dohlenfelder Hexenhatz

Die Schuld an den Geschehnissen in Wolenach wurde den in der Gegend zahlreichen Hexen und Druiden gegeben. In der Dohlenfelder Hexenhatz sollte dieses Übel beseitigt werden. In den nächsten sieben Jahren wurden zahlreiche Zauberkundige sowie Sumu- und Satuariaanhänger gefoltert und hingerichtet. Gleichzeitig wurde massiv die Verbreitung des Glaubens an die Zwölfe vorangetrieben, wurde sich Radegast doch erst jetzt bewusst, dass erschreckend viele Dohlenfelder nicht initiiert waren – eine große Zahl der Bewohner des Darlintals gehörte vielmehr satuarischen Gemeinschaften an, verehrte Sumu oder stand lokalen Feenkulten nahe.
zurück zur Übersicht

Anfang 343 BF

Schließung des Dohlenfelder Tsatempels

Der 12 v. BF gegründete Dohlenfelder Tsatempel wurde im Jahre 343 BF auf Befehl Radegasts niedergebrannt, der Tsakult galt als ebenso schändlich wie die Verehung der nicht zum Zwölfgötterpantheon gehörenden Wesenheiten. Alle Tsageweihten Dohlenfeldes wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zusammen mit einigen Hexen und Druiden. Der Kult der Jungen Göttin sollte sich nie mehr von diesem Schlag erholen, es sollte beinahe sieben Jahrhunderte dauern, bis wieder ein Tsatempel in Dohlenfelde geweiht wurde.
zurück zur Übersicht

343 BF

Verdreifachung der Abgaben in den Nordmarken

Acht Jahre nach Beginn der Priesterkaiserherrschaft schaffte Kaiser Aldec alle Steuern auch in den Nordmarken und damit dem Isenhag ab, führte aber den dreimal höheren »Gottesdank « ein. Der Herzogen-Wahrer zu Elenvina und Radegast setzten die Anordnung mit aller Gewalt um, und im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte wurden nicht wenige der bis dahin zum allergrößten Teil freien Bewohner des Isenhag in die Schuldknechtschaft gezwungen.
zurück zur Übersicht

Ende 343 BF

Der Protest des Grafen von Ambrocebrâ

Nachdem ihm klar wurde, was die Verdreifachung der Abgaben für die armen Bergbauern bedeutete, protestierte Graf Lechdan von Fallenwerth, ein direkter Nachfahr des Sankt Nitram, bei Priesterkaiser Aldec höchstselbst. Dieser hörte den Grafen aus Respekt vor Sankt Nitram an, war dann jedoch so erbost, dass er Lechdan den Grafentitel nahm und ihn zu einem einfachen Baron degradierte: Die bisherige Grafschaft Ambrocebrâ wurde zur Baronie Eisenstieg, die dem Grafen zu Albenhus unterstellt wurde. Weiterhin befahl er Lechdan für sein unbotmäßiges Verhalten zu einer Pilgerfahrt nach Balträa, von der er nie zurückkehren sollte.
zurück zur Übersicht

Ende 349 BF

Die Namenlosen Pocken breiten sich in Dohlenfelde aus, Twergenhaus wird verschont

Die Namenlosen Pocken erreichten die Lande am Darlin im Frühsommer 349 BF: Jeder dritte Bewohner des Darlintales erlag der Krankheit, auch Baron Ronwald von Katzenstein und alle seine Verwandten starben. Die wenigen im Dorf am Fuße der zerstörten Burg Löwintrutz Zurückgebliebenen – Arbeiter und Sonnenlegionäre – fielen der Seuche binnen weniger Tage zum Opfer, das Tal der Stiege war wieder völlig entvölkert und geriet in Vergessenheit. Radegast von Greifenfurt flehte die Gnade des Götterfürsten auf die Stadt Twergenhausen herab – und wurde erhört: Soweit man den Gong des Twergenhäuser Praiostempels hören konnte, forderten die Namenlosen Pocken nicht einen Todesfall. Radegast verließ, aus Dank an Praios, von diesem Tage an nur noch an Praiostagen den Tempel seines Herrn – zur öffentlichen Predigt auf dem Marktplatz der Stadt. Er sollte seinen Amtssitz auf Burg Darlinmund nie mehr betreten.

Meisterinformationen (Text wird sichtbar durch Markieren):
Die Namenlosen Pocken die letzten heimlichen Nemekathäer im Hauptort der Baronie dahin. Das nemekathäische Erbe geriet in Vergessenheit, die bis dahin wichtigste Reliquie des Borontempels, der mittlere Fingerknochen Nemekaths, wurde im Allerheiligsten weggeschlossen.
 
zurück zur Übersicht