Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Von Anderleut’ und Andervolk
»… alle anderen aber sollen nicht stören die zwölfgöttliche Ordnung …«

»Standeslose« und »standesvergessene« Menschen sind selten in den Nordmarken, und damit auch in Dohlenfelde. Zu den größeren Dorf- und Stadtfesten sind natürlich immer auch Fahrende anzutreffen, jedoch weit weniger als dies etwa bei vergleichbaren Festen in Almada oder Garetien der Fall wäre. Auch Kesselflicker und Scherenschleifer sind seltener im Eisenwald anzutreffen als dies im Neuen Reich üblich ist. Nicht vergessen werden dürfen an dieser Stelle aber die Druiden und Hexen, die es durchaus in Dohlenfelde gibt, und die als Magiebegabte ohne Gildensiegel selbstverständlich keinerlei Rechte genießen und, sollte die Obrigkeit ihrer Habhaft werden, auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Dass die einfache Bevölkerung diese »freien« Magiebegabten aus Zuneigung und/oder Furcht deckt, bereitet nicht nur den Praiosgeweihten in der Wehrhalle zu Elenvina Kopfzerbrechen. Der letzte Hexenprozess in Dohlenfelde fand im Praios 1022 BF statt. Ein Mann und zwei Frauen wurden damals der Hexerei für schuldig befunden und den Flammen übergeben.

Abgesehen von Menschen und Zwergen gibt es in Dohlenfelde so gut wie keine anderen kulturschaffenden Wesen – wobei die genannten Völker in bester nordmärkischer Tradition ohnehin allen anderen Sterblichen die Kulturschaffenheit absprechen würden. So gibt es seit der Priesterkaiserzeit keine elfische Siedlung mehr auf dem Grund Dohlenfeldes. Erwähnenswert war für einige Jahre der elfische Reichsedle zu Wolkenfold, der jedoch gen Tobrien zog und dort noch immer gegen die Dunklen Horden streitet. Sein Sohn, ein Halbelf, wurde vom Baron Dohlenfeldes ohne viel Federlesen wegen »Verlotterung der Sitten und Verkommenlassens der Tempel der Zwölfe« aus der Baronie verjagt.

Seither sieht man Elfen und Halbelfen höchstens noch als Durchreisende. Und diese sind immer in Gefahr, übel beschimpft oder gar von Kindern mit Unrat beschmissen zu werden. Als vor einigen Jahren zwei halbelfische Abenteurer in Ochsenheim sich lautstark darüber empörten, dass ein Gastwirt sich weigerte, sie in seine Wirtsstube zu lassen, kam es zu schweren Handgreiflichkeiten mit einigen Dörflern, an deren Ende einer der Elfen in seinem Blut lag und das Leben des anderen nur durch den hinzugeeilten Perainegeweihten gerettet werden konnte. Der überlebende Halbelf – der sich mit Dokumenten als Bürger der Kaiserstadt Gareth ausweisen konnte – zeigte den Wirt und die Schläger beim Baron an. Das zuständige Hochgericht zu Dohlenfelde urteilte nach kurzer Sitzung, dass die Halbelfen die volle Schuld an der Eskalation trügen, schließlich sei es allgemein bekannt, dass »bei Anwesenheit von Spitzohren gutes Bier nachgewiesenermaßen in kürzester Zeit ungenießbar und außerdem die heimtückische Elfenmagie nicht selten zur Zechprellerei eingesetzt würde«. Dass ein Elf erschlagen wurde, bewertete das Gericht dennoch als Überreaktion der Dörfler – »eine ordentliche Abreibung hätte das spitzohrige Gesindel auch davon überzeugen können, der Wirtsstube fern zu bleiben«. Da jedoch nicht mehr ermittelt werden konnte, wer dem Elf den tödlichen Hieb versetzte, verurteilte das Gericht den Wirt »aufgrund ungebührlichen Anheizens einer ohnehin gereizten Situation« zur Zahlung von 10 Silberstücken an den Baron und der gleichen Summe an den nächsten Perainetempel. Der überlebende Halbelf wurde gemäß Tralloper Vertrag nicht weiter belangt und daraufhin von einem Gerichtsbüttel zur Baroniegrenze geleitet. Dass in Erzweiler vor einigen Jahren einmal ein Elf mit einem Ohr an ein Scheunentor genagelt wurde, ist übrigens ein übles Gerücht. Tatsächlich wurde ein elfischer Barde wegen Falschsingerei und Götterlästerung für zwei Tage an den Pranger gestellt, und seine zertrümmerte Laute an ein Scheunentor am Ortseingang genagelt.

Immer wieder wird von Orks und Goblins berichtet, die jedoch keine festen Lager innerhalb der Baronie zu haben scheinen, sondern vielmehr in kleinen Banden aus Nachbarlehen nach Dohlenfelde eindringen. Was die Schratigen betrifft, gibt es in den Wäldern Dohlenfeldes zahllose Waldschrate und unter den Bergen ebenso viele von den Angroschim bitter bekämpfte Wühlschrate. Abgesehen von diesen lebt noch ein Troll namens Ggruzz in der Baronie, der manchmal an der Via Ferra oder auch im Tal von Zwackelfegen »Zoll« eintreibt. Als Gegenleistung lässt er die eingeschüchterten Wanderer üblicherweise wohlbehalten weiterziehen. Übel ist es einmal einem Durchreisenden ergangen, der versuchte, vor Ggruzz einen Honigtopf zu verstecken: Mit einem kräftigen Fausthieb rammte der Troll den Fremden unangespitzt in den Boden. Mehrere Versuche des Adels, Ggruzz zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten. Es gibt einfach zu viele gute Verstecke in den Bergen, selbst für einen riesenhaften Troll.