Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Von den Angroschim
»… die Zwerge sollen mehren Ingerimms Schätze…«

Der in der Baronie Dohlenfelde liegende Teil des Eisenwaldes ist seit Jahrtausenden unter fünf erzzwergischen Sippen aufgeteilt: Am Nordhang des Eisenwaldes die drei »alten« Sippen von Malmalosch, Moxarosch und Loxolosch, am Südhang die »jungen« Sippen von Arigalatiko und Xalatiko. Der Eisenwald ist die mythische Urheimat der Zwerge, und die Sippe von Loxolosch behauptet sogar, dass ihre unterirdischen Hallen die ältesten des Zwergengeschlechts überhaupt seien (ein gutes Dutzend Zwergensippen zwischen Alborath und Albenhus behauptet ähnliches, und keine einzige kann handfeste Beweise dafür anführen). Unzweifelhaft ist jedoch, dass die ältesten Hallen unter den Bergen Dohlenfeldes schon lange angelegt wurden, bevor die Angroschim eine Schrift kannten. Die Ornamentik in der Heiligen Halle zu Loxolosch-Tena scheint jedenfalls rein schmückend zu sein, und nicht einmal die weisesten Angroschpriester sind in der Lage, hier Vorstufen des Angram zu erkennen.

Die erzzwergischen Sippen von Loxolosch und Arigalatiko nennen heutzutage gleichnamige Bergkönigsgüter ihr Eigen, das Bergkönigsgut der Sippe von Xalatiko heißt »Grambosch«. Die Autonomie der anderen beiden Sippen ist nicht mehr so groß: Die Sippe von Moxarosch stellt heute die zwergische Bevölkerung des gleichnamigen gräflich-isenhager Edlenguts (das aber immerhin von einem Zwerg der örtlichen Sippe beherrscht wird), die Sippe von Malmalosch lebt heute im menschlichen Junkergut Erzweiler. Erwähnt werden muss noch die hügelzwergische Sippe der Birnknödels, die im Jahre 606 BF vom Ufer des Angbarer Sees nach Dohlenfelde zog. Noch heute stellen die Birnknödels die Mehrheit der Angroschim in Freiherrlich Dohlenfelde, und gelten den Zwergen als die »siebte Sippe« – denn eine bereits vor Jahrtausenden in einer Fehde ausgelöschte erzzwergische Sippe wird nach wie vor als »schändliche sechste Sippe« gezählt.

Die Rechte und Pflichten der Angroschim in den Menschenreichen werden durch zwei zentrale Gesetzeswerke geregelt: Zum einen wäre da der Vertrag von Angbar aus dem Jahre 712 vor Bosparans Fall, zum anderen und bei weitem bedeutender die 160 nach Bosparans Fall gesiegelte Lex Zwergia. Innerhalb der zwergischen Gemeinschaft sind die Bruderschaften sowohl was das Recht als auch das Brauchtum angeht von großer Bedeutung, von denen es in Dohlenfelde mehrere gibt. Die bedeutendste ist, wie im ganzen Eisenwald, die Bruderschaft der Grundsteinbrüder. Auch die Bruderschaft der Kupferbrecher, die ihre Hallen in Moxarosch hat, und die Bruderschaft von Xalosch dem Drachentöter mit ihren Versammlungsräumen in Loxolosch sind bedeutend. Fast jeder Erzzwerg ist Mitglied einer Bruderschaft, die aber nur selten mit dem Wohnort oder der Sippenzugehörigkeit der Angroschim im Zusammenhang steht.

Insgesamt leben in und unter der Baronie Dohlenfelde knapp 550 Angroschim (hinzu kommen noch gut zwei Dutzend in der Herzogenstadt Twergenhausen), was mehr als jedem zwanzigsten Zwerg dieses Volk entspricht. Mehr als jeder neunte Einwohner der Baronie gehört damit zum Kleinen Volk. Die meisten Angroschim leben in den Bergen: Im Junkergut Erzweiler, im gräflichen Edlengut Moxarosch sowie in den Bergkönigsgütern Arigalatiko, Grambosch und Loxolosch. Kein Angroscho ist ein Untertan eines menschlichen Adligen, die Angroschim sind nur ihren Sippenoberhäuptern und ihrem Bergkönig, dem Rogmarok vom Eisenwald, verantwortlich. Aller Grund und alle Ingerimmsschätze unter der Ackerkrume in der Grafschaft Isenhag gehören nach altem Recht den Angroschim, in den drei Bergkönigsgütern haben die Zwerge zusätzlich weitreichende Privilegien in der Rechtssprechung. So müssen Angroschim, die sich in den Bergkönigsgütern strafbar machen, nicht wie üblich von ihrem Bergkönig ausgelöst werden, bevor sie vor ein Zwergengericht gestellt werden können. Diese Sondergerichtsbarkeit schließt übrigens auch aus, dass die Angroschim Twergenhausens das Bürgerrecht erlangen können.

Insgesamt muss das Zusammenleben der Menschen und Zwerge in Dohlenfelde trotz fast 1900 Jahren gemeinsamer Geschichte eher als ein Neben- denn ein Miteinander beschrieben werden, und schon gar nicht als trautes Miteinander. Die Erzzwerge sind zu sehr darauf bedacht, ihre Traditionen zu wahren und sich von ihren kurzlebigen, ungeduldigen, für allerlei drachische Verführungen anfälligen menschlichen Nachbarn abzugrenzen. Geradezu bezeichnend für diese Einstellung ist, dass die Missionierung der Menschen zum Ingerimmkult nicht von der örtlichen erzzwergischen Angroschpriesterschaft ausging, sondern eines hügelzwergischen Missionars aus Angbar bedürfte.

Dies soll jedoch nicht heißen, dass es keine für beide Seiten gewinnbringenden Kontakte zwischen Erzzwergen und Menschen gibt: Handel wird seit der Ansiedlung der ersten Menschen getrieben, und Seite an Seite kämpften Erzzwerge und Menschen gegen Orks, Goblins, Drachen und Elfen. Seit 797 BF ist zudem ein Erzzwerg der Verwalter Dohlenfeldes (und auch Transdarliniens, also des linksdarlinschen Teils Dohlenfeldes), und zu vielen Gilden und -zünften gehören sowohl Menschen als auch Zwerge (das menschliche Zunftwesen muss insgesamt als Imitation der erzzwergischen Bruderschaften gesehen werden). Nicht wenige Menschen gehen bei zwergischen Meistern in die Lehre, und ab und zu gibt es sogar den umgekehrten Fall. Auch soll es echte Freundschaft zwischen Erzzwergen und Menschen geben, und immer mal wieder tritt auch ein erzzwergischer Armbruster bei den menschlichen Schützenfesten an.

Alles in allem sind die Beziehungen zwischen Erzzwergen und Menschen jedoch sehr formal, auf gegenseitigen Respekt bedacht und dadurch wenig herzlich – aber damit ganz so, wie es dem Wesen der Erzzwerge entspricht. Die hügelzwergische Sippe der Birnknödels dagegen ist auf das Engste ins dörfliche Leben im Markt Dohlenfelde integriert. Die aus dem Kosch eingewanderten Angroschim gehören einfach zum Markt Dohlenfelde dazu: Sie lesen den Menschen in langen Winternächten Geschichten vor, treffen sich mit menschlichen Freunden zum Stammtisch und es gab sogar schon Trauzeugen bei Hochzeiten des jeweils anderen Volkes. Das Dohlenfelder Schützenfest schließlich wäre ohne die zahlreichen hügelzwergischen Teilnehmer kaum vorstellbar. Dass dieses »anbiedernde Verhalten« nicht gerade die Beziehungen zwischen den Birnknödels und den seit Urzeiten ansässigen Erzzwergen fördert, ist verständlich. Die gemütlichen Hügelzwerge scheint dies jedoch nicht im Geringsten zu stören.