Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Von der freien Landbevölkerung
»… die Freien sollen schaffen und werkeln…«

Bis vor den Umwälzungen der letzten Jahre genoss ein Fünftel der Landbevölkerung der Baronie Dohlenfelde und Herzoglich Dohlenfeldes die persönliche Freiheit. Nach dem Zuzug von etwa vierhundert Flüchtlingen aus Tobrien, Garetien und vor allem Albernia seit 1019 BF ist nun jeder dritte Einwohner Dohlenfeldes frei. In den meisten Gegenden Dohlenfeldes sind auch nach der Ankunft der Flüchtlinge nur etwa ein Fünftel der Einwohner Freie. Nur ein Zehntel ist jedoch im Landedlengut Zwackelfegen sowie den Rittergütern Maringen und Schwarzfels frei. Im Landedlengut Wichtenfels und auch im Rittergut Perainshof ist es hingegen ein Drittel, in den »Berglehen« Erzweiler und Moxarosch sogar die Hälfte. Auch im Edlengut Wolkenfold ist aufgrund des Zuzugs der tobrischer Flüchtlinge die Hälfte der Bevölkerung frei.

Die alteingesessenen Freien sind oftmals wohlsituierte Freibauern, freie Handwerker sowie Handel- und Wandeltreibende, die stolz auf den bescheidenen Wohlstand sind, den sich ihre Familien mit ihrer eigenen Hände Arbeit in vielen Generationen erwirtschaftet haben: Den schmucken Hof, die Mühle am Fluss, die kleine Pension, die Schreinerwerkstatt. Dem Adel der Baronie Dohlenfeldes sind diese Freien treu ergeben, und die Familien sind stolz auf ihre »Landwehrmaid« oder ihren »Landwehrbuben«, der sich zu den monatlichen Wehrübungen einzufinden hat. Die kräftigsten und militärisch findigsten Bürger können sogar damit rechnen, von den adligen Offizieren der Landwehr zu Weibeln ernannt zu werden, was der so geehrten Familie den Neid des ganzen Dorfes einbringt. Und welchen Hohn musste jüngst erst der Markt Dohlenfelde über sich ergehen lassen, als sein Landwehrdetachement den Befehlen eines Mühlenheimer Weibels gehorchen musste!

Einige Ortschaften nehmen Sonderstellungen ein, was die Freien anbelangt. So sind alle menschlichen Bewohner von Loxolosch freie Reichsbürger. Vor allem aber sind Mühlenheim und Wilsitz zu erwähnen. In diesen beiden Dörfern leben nur Freie, und zwar die Nachfahren der in den Jahren 771 und 772 BF aus Wolkenfold geflüchteten Bauern und Handwerker. Wolkenfold wurde damals von einer erbitterten Adelsfehde heimgesucht, und die damalige dohlenfeldsche Baronin bot den Freien ihren Schutz an. So gründeten die Wolkenfolder am linken Ufer des Weihlbachs, in direkter Nachbarschaft Wolkenfolds, das Dorf Mühlenheim. Andere Wolkenfolder zogen in die damalige Reichsvogtei Wilsitz, die damals menschenleer war. Die Fehde in und um Wolkenfold endete erst 951 BF. Die Nachkommen der einstigen Flüchtlinge waren in Mühlenheim und Wilsitz jedoch heimisch geworden und hatten kein Interesse mehr, in das zerstörte und entvölkerte Wolkenfold zurückzukehren.

Die im letzten Jahrzehnt zugezogenen Flüchtlinge sind bei weitem nicht so gut situiert wie ihre alteingesessenen Standesgenossen. Oft mit nichts als dem, was sie am Leib trugen, in Dohlenfelde eingetroffen, waren sie nicht selten wenig mehr als freizügige Bettler. Einige wenige bauten eigene Handwerksbetriebe auf, die meisten jedoch verdingen sich als Handlanger der Alteingesessenen. Einige freie albernische Familien, die sich kein Land und kein Dach über dem Kopf leisten konnten, haben sich mit praioskirchlichem Dispens in die freiwillige Schuldknechtschaft des Adels begeben und zogen somit den vollen Bauch als Hörige dem Hungertod in persönlicher Freiheit vor. Zwei Siedlungen sind hervorzuheben, leben dort doch fast nur Flüchtlinge: Zum einen wäre dies das »Tobrierdorf« Koradinsheim im Edlengut Wolkenfold, das eine faktische Neugründung für Flüchtlinge aus dem Osten des Reiches ist. Zuvor befand sich am Ort des Dorfes die nur aus drei Häusern bestehende Siedlung Reghiansgrab, die selbst erst 1022 BF gegründet worden war. Diese Flüchtlinge sind sogar die einzigen Freien ganz Wolkenfolds. Zum anderen wäre die zu Erzweiler gehörende Bergbausiedlung Ilpettasbinge zu nennen. Ilpettasbinge wurde im harten Winter 1028 BF vollständig zerstört, über zweihundert Bergleute fanden den Tod. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung entschieden der Bergkönig des Eisenwaldes und der Baron Dohlenfeldes jedoch, Ilpettasbinge schnell wieder aufzubauen. So heuerten die beiden neuen Direktoren der »Bergköniglich Eisenwaldschen und Freiherrlich Dohlenfeldschen Minen-Compagnie« ab Ingerimm 1028 BF aus ganz Isenhag und sogar dem Kosch erfahrene Handwerker und Vorarbeiter an, darunter viele Angroschim – und dazu über einhundert kräftige albernische Flüchtlinge. Diesen Arbeitern obliegt seither der Wiederaufbau Ilpettasbinges, der schon große Fortschritte gemacht hat.

In ganz Isenhag und damit natürlich auch in Dohlenfelde liegt die Halsgerichtsbarkeit über Freie bei den Baronen. Dies gilt für die ganze Baronie, eingeschlossen die Bergkönigsgüter, nicht jedoch das Grafengut Moxarosch. Im zu Herzoglich Dohlenfelde gehörenden Rittergut Schwarzfels und im Stadtforst (ehemals Reichsdorf) Wilsitz sowie den Landedlengütern Zwackelfegen und Wichtenfels liegt die Gerichtsbarkeit formell beim herzoglichen Hochgericht zu Twergenhausen, zumindest im Falle der Landedlengüter wird diese jedoch de facto durch das freiherrliche Gericht zu Dohlenfelde ausgeübt, wie es seit Generationen üblich war. Fast mit adelsgleichen Privilegien ausgestattet ist eine bestimmte Gruppe der Freien in Dohlenfelde, nämlich die Waldimker, die in der Darlinschen Zeidlerzunft zusammengeschlossen sind. Die an ihrer auffälligen Tracht weithin erkennbaren Zeidler unterstehen einzig ihrer eigenen Gerichtsbarkeit (und nur theoretisch derjenigen der Elenviner Wehrhalle), müssen nicht in der Landwehr dienen und zahlen weder den weltlichen noch den kirchlichen Zehnt.