Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Von der Geweihtenschaft
»… die Geweihten sollen beten für unser aller Seelenheil…«

Der den Zwölfen am nächsten stehende und dadurch höchste Stand der Baronie Dohlenfelde und Herzoglich Dohlenfeldes ist, wie im gesamten zivilisierten Aventurien, die Geweihtenschaft. In der Herzogenstadt Twergenhausen, wo etwa jeder siebzigste Einwohner geweiht ist, finden sich ein Kloster, vier Tempel sowie zahlreiche Kapellen, Schreine und Altäre, es gibt dort sechs Geweihte des Efferd in der Sankta-Bethana-Sakrale, vier der Travia im Tempel des Heiligen Herdfeuers, einen der Rondra in der Sankt-Hlûthar-von-den-Nordmarken-Sakrale und einen des Boron im Golgari-Tempel am Boronanger außerhalb der Stadtmauern. Der prächtige Rondratempel war seit der Trollpfortenschlacht vakant und wurde 1030 BF vom ehemaligen Hofgeweihten der Familie Sturmfels bezogen (auch der Geweihte des Erzweilerer Sankta-Hildrun-Tempels war in der Dritten Dämonenschlacht gefallen, doch dieser Rondratempel ist nach wie vor vakant). Eine weitere Rondrageweihte des Ordens der Wahrung erstellt seit Jahren auf Burg Darlinmund Register für die Archivbestände der Reghianer. In der Badilakaneabtei der Stadt dienen sechs Traviageweihte, von einem Phexgeweihten wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt.

Obwohl es keinen Ingerimmtempel in Twergenhausen gibt, halten sich ständig zwei oder drei Ingerimmgeweihte in Twergenhausen auf, und in der Zunftkammer am Hilberiansplatz – dem gemeinsamen Haus der acht Twergenhäuser Zünfte – sind ständig zwei Stuben bereitet, um wandernden Gesellen des Ingerimm Unterkunft zu bieten. Diese Ingerimmgeweihten besuchen die Werkstätten Twergenhausens, tauschen sich mit den Meistern, Gesellen und Lehrlingen der Herzogenstadt aus, feiern Messen in den Zunftkapellen und nehmen Gesellen- und Meisterweihen vor. Nicht wenige in den Kapellen Twergenhausens ausgestellte handwerkliche Meisterwerke wurden von solchen reisenden Gesellen des Ingerimm während eines Aufenthalts in der Herzogenstadt gefertigt. Manche Ingerimmgeweihte bleiben nur wenige Tage in der Stadt, andere kehren alle paar Monate nach Twergenhausen zurück, wieder andere verbringen viele Jahre in der Herzogenstadt.

Der formell ranghöchste Geweihte Twergenhausens steht keinem Tempel vor, sondern ist eine gräflich-Isenhager Amtsperson: Mit der Gründung der Heiligen und Kaiserlichen Inquisition im Jahre 865 BF wurde auch die Grafschaft Isenhag zum Amtsbereich eines Ordentlichen Inquisitionsrates. Dieser zog im Jahre 869 BF – nachdem vier Jahre lang zwischen der Praioskirche und dem Grafen des Isenhag verhandelt worden war – feierlich in Twergenhausen ein. Die Herzogenstadt wurde als Sitz des Inquisitors deshalb gewählt, da sich der Graf in seiner Residenz Calbrozim die Anwesenheit desselben verbat. Außerdem beschränkt sich die Zuständigkeit des Inquisitors im Isenhag explizit nur auf Menschen. Angroschim sind generell von inquisitorischer Strafverfolgung und sogar Beobachtung ausgenommen. Der Graf des Isenhag ließ einen zugigen Wehrturm auf Burg Darlinmund als Inquisitionsturm herrichten – gegenüber dem Eingang der Sankt-Hlûthar-von-den-Nordmarken-Sakrale, die zwar in der heutigen Form von 336 BF bis 349 BF als Praiostempel gebaut wurde, aber seit 468 BF der Rondra geweiht ist.

In der Baronie Dohlenfelde, wo jeder Hundertste Bewohner ein Geweihter ist, finden sich ein Kloster und 26 Tempel der Zwölfgötter, fünf Tempel des zwergischen All- und Schöpfergottes Angrosch sowie eine große Zahl Kapellen, Schreine und Altäre. Auch hier sind die sogenannten »Volksgottheiten« besonders stark vertreten, darüber hinaus der Kult des Boron: Vierzehn Priester sind der Peraine geweiht, neun dem Ingerimm und dem Boron (von diesen drei im Zwackelfegener Noionitenkloster), acht der Travia, fünf dem Efferd, zwei dem Praios und dem Firun. Angroschgeweihte finden sich sieben auf (oder besser: unter) dem Gebiet der Baronie. Besonders erwähnt werden sollten hier die Zwillinge, die im Angroschtempel zu Loxolosch als »Hüter der Tradition« dienen, und als theologische Autoritäten ihres Kultes gelten.

Die beiden Geweihten der »Adelsgottheiten« Praios und Rondra genießen in der Baronie Dohlenfelde den größten politischen Einfluss, danach kommen die Ingerimmgeweihten Erzweilers, die drei Perainegeweihten Mühlenheims und Wichtens sowie das traviageweihte Paar des Marktes Dohlenfelde. Die beiden Borongeweihten des Hauptortes der Baronie kümmern sich um die Bestattungen und Totenanger aller Lande am Darlin und am Wichtelbach, der Boronanger Twergenhausens wird jedoch von Geweihten aus Ludgenfels betreut. Der Geweihte des neu errichteten Gedenktempels für die Schlacht auf dem Schönbunder Grün sucht noch seinen Platz in der Baronie. In der Herzogenstadt streiten die Geweihtenschaften des Efferd und der Travia seit Jahrhunderten um den größten Einfluss. Die Stadt lebt vom Flusshandel und der Flussfischerei, und die Efferdgeweihtenschaft versteht es trefflich, an den Bürgerstolz der Twergenhäuser zu appellieren. Die streng efferdgläubige Patrizierfamilie Gliependiek stellt seit vielen Generationen die Hochgeweihten des Sankta-Bethana-Tempels. Diejenigen Einwohner Twergenhausens, die nicht Efferd verehren, sind zum größten Teil der Travia ergeben, der Traviakult der Herzogenstadt wird von der Patrizierfamilie Kessler dominiert. Die Kesslers stellen sowohl den Hochgeweihten des Traviatempels als auch den Abt des Badilakanerklosters. Erstaunlicherweise gibt es in Twergenhausen trotz der starken Zünfte keine Geweihtenschaft des Ingerimm, sondern nur einige Akoluthen des Gottes, die in den Zunftkapellen die Messen feiern: Der einst prächtige Twergenhäuser Ingerimmtempel wurde nach einer schweren Brandkatastrophe 666 BF »Symbol des Hochmuts der Handwerker« abgerissen und nie wieder aufgebaut.

Das Verhältnis der Geweihtenschaften der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen war viele von zwölfgöttlicher Eintracht geprägt, mit zwei wichtigen Ausnahmen: Zum einen sind sich die Geweihtenschaften der Efferdtempel Twergenhausens und Altengrunds spinnefeind. Schon seit mehreren Generationen streiten die beiden Tempel über die im Volk sehr weit verbreitete, von der Bruderschaft von Wind und Wogen jedoch gar nicht gern gesehene Verehrung des Flussvaters. Die Geweihten des kleineren Tempels zu Altengrund folgen dabei der »reinen Lehre« Bethanas, während die Twergenhäuser eher der volkstümlichen Auslegung folgt, die von der Meisterin des Flusses in Albenhus zumindest geduldet wird. Zum anderen hat der zunehmende Streit zwischen den Stadtbürgern und dem stolzen Adel im Hinterland zunehmend dazu geführt, dass auch Geweihte Partei nehmen und damit in die Streitigkeiten hineingezogen werden.

Wie der Rondratempel zu Twergenhausen wurde auch der Praiostempel in Dohlenfelde erst jüngst neu besetzt: Eine wortgewaltige Praiosgeweihte betreut seit kurzem den Sankta-Lechmin-von-Weiseprein-Tempel zu Dohlenfelde (der bis dahin im Weihestättenregister der Lichtei Elenvina nur als »Kapelle ohne eigenen Geweihten« geführt wurde). Die Geweihte hält auch regelmäßig Praiosdienste in der Sankt-Hilberian-Kapelle zu Twergenhausen und betrachtet, neben dem Adel der Baronie und der einflussreichen Zeidlerzunft, vor allem die vermögenden Bürger der Herzogenstadt als ihre Klientel. Schon seit die Patrizierfamilie Wladjeff 1014 BF Praios zu ihrer Hauptgottheit erkor, fordert auch eine große Anzahl Stadtbürger jedoch einen eigenen Geweihten für Twergenhausen. Nicht vergessen werden darf die wachsende Anhängerschaft des Bannstrahl Praios’. Die Lehre des radikalen Praiosordens findet seit dem Wiedererscheinen Borbarads immer mehr Sympathisanten sowohl in der Baronie als auch in Twergenhausen.

Weiterhin sollte noch die Akoluthenschaft (die weder karmatisch noch juristisch zur Geweihtenschaft gehören) genannt werden: Alleine in Twergenhausen gibt es gut drei Dutzend Akoluthen verschiedener Gottheiten, alleine achtzehn Traviaakoluthen dienen in der Abtei Sankt Badilak, auch Efferd und Ingerimm sind stark vertreten. Darüber hinaus werden auch das Siechenhaus der Therbûniten und das Haus der Efferdbrüder zu Twergenhausen von Akoluthen geführt. Auch in der Baronie finden sich zahlreiche Akoluthen, vor allem der Götter Peraine und Ingerimm. Darüber hinaus gibt es in fast jeder Ortschaft einen Boronakoluthen, der sich um die Pflege des Boronangers kümmert.


Meisterinformationen (Text wird sichtbar durch Markieren):
In Twergenhausen besteht, wie kaum anders zu erwarten, ein geheimer Diebes- und Bettlerkult des Phex mit einem Geweihten. Seit Jahrhunderten gibt es außerdem immer wieder Gerüchte über einen Namenlosenkult in Twergenhausen. Tatsächlich ist die Zunft der Goldwerker von Namenlosenkultisten unterwandert, und deren höchster Geweihter sitzt als Zunftmeister sogar im Magistrat der Stadt.