Wappen der Baronie Dohlenfelde und der Herzogenstadt Twergenhausen

Vom Stadtpatriziat
»… die Patrizier sollen herrschen über die Städte …«

Die Herzogenstadt Twergenhausen wird seit der Verleihung der Stadtrechte 854 v. BF von Patrizierfamilien beherrscht, wobei sich die Zusammensetzung des Patriziats mehrfach änderte und von einer vollen Patriziatssouveränität erst ab den Dunklen Zeiten gesprochen werden kann. Das wichtigste Dokument der Stadtgeschichte, das »Privilegium Sighelmi«, zementierte im Jahre 142 BF die Herrschaft des Patrizierstandes. Alle Patrizier sind die würdigsten »Bürger« der Herzogenstadt, jeder Patrizierfamilie stehen Sitz und Stimme im Magistrat, der Twergenhäuser Regierung, sowie zahlreiche weitere Privilegien zu. So sind die Ratsdamen und -herren mit »Verehrteste Ratsdame« beziehungsweise »Geehrtester Ratsherr« anzureden, allen anderen Mitgliedern der Patrizierfamilien stehen die Anreden »Verehrteste Dame« beziehungsweise »Geehrtester Herr« zu. Weiterhin sind etwa die ersten Sitzreihen im Rondra-, Efferd- und Traviatempel alleine den Patriziern vorbehalten, und einfache Stadtbewohner müssen den Patriziern auf der Straße den Vortritt lassen und in die Gosse ausweichen. Vor allem aber genießen die Patrizier ein Vorkaufsrecht auf alle Waren, die von Kaufleuten, die keine ehrbaren Bürger Twergenhausens sind, angeboten werden. Die Stadtverfassungen aus den Jahren 164 BF und 906 BF (mit der Revision von 955 BF) regeln, wer Patrizier ist: Ein jeder ehrbarer, tadelloser und zwölfgöttergläubiger Bürger Twergenhausens, der über einen Zeitraum von 12 Jahren mindestens 2400 Dukaten in jedem Jahr versteuert hat, nicht zum Adelsstand und zu keiner Zunft gehört, dessen Familie seit mindestens drei Generationen in der Herzogenstadt ansässig ist und der bereit ist, der Stadtwehr zwei schwergerüstete Reiter zu stellen, darf beim Magistrat den Antrag stellen, in den Patrizierstand erhoben zu werden. Wenn alle alten Patrizierfamilien zustimmen, gilt der Aspirant als mitsamt seiner Familie (Ehepartner sowie eheliche Kinder und die Kinder des oder der Erstgeborenen und deren Nachfahren) in den Patrizierstand erhoben. Den Patrizierstatus verliert eine Familie, wenn alle anderen Patrizierhäuser der Stadt dies entscheiden oder wenn die Familie ihren Verpflichtungen gegenüber der Stadt nicht nachkommt. Eheliche Kinder von Patriziern behalten ihren Stand, dieser ist jedoch nicht vererbbar. Sollte einer Patrizierfamilie ein magiebegabtes Kind geboren werden, genießt dies zwar die Patrizierprivilegien, darf jedoch nicht an der Stadtregierung beteiligt sein. Dies wurde nach dem Erlass des Garether Pamphlets in der Stadtverfassung festgeschrieben.

Seit 882 BF bestimmen die vier Patrizierfamilien Kessler, Gliependiek, Wladjeff und Engstrand die Geschicke der Stadt. Von diesen Häusern sind die Kesslers, die den Traviakult der Stadt beherrschen, unzweifelhaft das älteste: Der Traviatempel Twergenhauses untersteht seit der Stadtgründung im Jahre 870 vor Bosparans Fall (momentan in der 62. Generation) einem Familienmitglied. Das zweitälteste Patrizierhaus Twergenhausens sind die Gliependieks, die seit 29 BF zu diesem Stand gehören und den Efferdkult Twergenhausens dominieren. Die Wladjeffs, deren norbardische Herkunft heute noch gut am Namen zu erkennen ist, genießen seit 576 BF die Patrizierwürde. Das Haus Engstrand ist das jüngste der Patriziergeschlechter. Es gehört noch nicht einmal seit zweihundert Jahren (seit 835 BF) zu diesem Stand.

Bis 906 BF regierten die Patrizier (mit Ausnahme der späten Priesterkaiser- und Frühen Rohalszeit) die Stadt sogar alleine, seither müssen sie aufgrund der neuen Stadtverfassung ihre Macht aber mit den ursprünglich sechs, seit 955 BF acht ordentlichen Zünften teilen. Die Patrizierfamilien sind allesamt durch den Handel auf dem Großen Fluss und der Via Ferra zu Macht und Reichtum gelangt und legen großen Wert darauf, ebenso bedeutend und traditionsreich wie der Hochadel im Hinterland zu sein – und weit über dem Landadel zu stehen (die Gliependieks und ganz besonders die Kesslers können selbstverständlich Stammbäume aufweisen, deren schiere Länge die meisten Adligen vor Neid erblassen lassen würde).

Die reichste der vier Familien ist das Haus Gliependiek, das mehr als die Hälfte aller Twergenhäuser Bürgermeister stellte und es an Vermögen durchaus mit dem Albenhuser Grafenhaus aufnehmen kann. Die zweitreichste Patrizierfamilie ist das Haus Kessler. In der Vergangenheit lieferten sich die Anhänger dieser beiden Patrizierfamilien sogar regelrechte Straßenschlachten, und die Duelle, die im Laufe der Jahrhunderte zwischen den beiden Häusern geführt wurden, sind kaum zu zählen. Bezeichnend ist, dass das Rathaus zwei Eingänge hat – ein Gliependiek- und ein Kessler-Portal. Erst die neue Stadtverfassung von 906 BF zwang die beiden Patizierhäuser in eine zähneknirschende Allianz gegen die Zünfte der Stadt. Das kleinste der Patrizierhäuser ist die Familie Engstrand, die an Reichtum aber noch immer so gut wie jeden nordmärkischen Baron übertrifft. Ihre alten Vorrechte verteidigen die Stadtpatrizier mit allen Mitteln – sei es gegen die einfachen Bürger, die Zünfte, den Adel im Hinterland oder gar den Herzog. Im Magistrat können die Stadträte der vier Patrizierfamilien alle Entscheidungen blockieren, wenn sie sich nur einig sind.

Die Mitglieder der Patrizierhäuser besetzen fast alle wichtigen Positionen in der Stadtverwaltung und der städtischen Justiz. Traditionell fühlen sich die Twergenhäuser Patrizierfamilien zu unterschiedlichen Göttern hingezogen: Die Häuser Gliependiek und Kessler verehren, wie bereits erwähnt, Efferd beziehungsweise Travia, das Haus Wladjeff Praios (seit mehrere Familienmitglieder am 5. Hesinde 1014 BF Zeugen der Lichtbotenausrufung Hilberians wurden) und das Haus Engstrand Phex.

Die einzige Familie, die den Patrizierhäusern ernsthafte Konkurrenz macht, ist die Bootsbauerdynastie Klippstein. Die steinreichen Werftbesitzer – an Vermögen werden sie gegenwärtig nur von den Gliependieks und Kesslers übertroffen – schafften es vor einigen Jahren sogar, eine der ihren zur ersten nicht einer Patrizierfamilie Twergenhausens entstammenden Bürgermeisterin wählen zu lassen. Diese aber fiel einem feigen Mord zum Opfer.

Wie wichtig sich der Patrizierstand nimmt, mag man daran ermessen, dass eine Stadtverordnung aus dem Jahre 664 BF vorsieht, Mitglieder der nordmärkischen Herzogenfamilie so zu behandeln, »als seien sie ehrenwerte Patrizier zu Twergenhausen«. Dieser Stolz beruht darauf, dass die Twergenhäuser großen Wert darauf, dass sie sich ihren Stadtherrn – den Herzog der Nordmarken – in einem freien Willensakt im Jahre 564 BF erwählt haben, und dieser ihnen alle alten Privilegien, festgeschrieben im Privilegium Sighelmi von 142 BF, noch einmal garantiert hatte.

Ihre Pflichten an Twergenhausen sehen die Patrizier ernster als alle anderen Einwohner der Herzogenstadt. So ist es jedem Kind eines Patrizierhauses schon fast von Geburt an vorgegeben, welche Wege es zu gehen hat: Das erstgeborene erhält eine juristische Ausbildung, um dereinst den Ratssitz im Magistrat zu übernehmen, das zweitgeborene wird auf eine Kriegerschule geschickt – am beliebtesten ist gegenwärtig das Puniner Kriegerseminar »Mit Ross und Reitersäbel!« –, um als schwergerüsteter Reiter der Stadt zu dienen, das drittgeborene empfängt, zumindest in den Häusern Gliependiek und Kessler, die Weihen. Und dann geht es wieder mit der Juristenausbildung los. Sollten einmal in einer Generation nicht genügend Kinder geboren werden und das Erwachsenenalter erreichen (sechs gelten als gewünschte Zahl), werden zum Wohle der Familie auch Waisen adoptiert. Diese sind in Twergenhausen seit 660 BF erbberechtigt. Es braucht nicht erwähnt werden, dass jedes Mitglied eines Patrizierhauses eine solide Ausbildung im Kaufmannswesen erhält und eine gewisse Zeit irgendwo in Aventurien in einem Kontor arbeiten muss. Von jedem Patrizier wird zudem eine umfassende Bildung erwartet, wofür eigens höchstgebildete, bevorzugt horasische Hauslehrer angestellt werden.

Wie viele andere Kaufleute am Großen Fluss haben sich die drei Patrizierhäuser Gliependiek, Kessler und Wladjeff dem 1026 gegründeten Albenhuser Bund angeschlossen, einzig das Haus Engstrand stellte sich offen gegen die Kaufmannsgilde. Dies brachte dem kleinsten der Twergenhäuser Patrizierhäuser herbe finanzielle Verluste ein, zugleich aber die Unterstützung des Dohlenfelder Adels (und auch anderer konservativer Adliger in anderen Teilen der Nordmarken). Im Rondra 1027 BF untersagte der Dohlenfelder Adel seinen Untertanen den Handel mit dem Albenhuser Bund.